Rechtsformen für Gründer


Rechtsformen für Gründer
Bild: © Gerd Altmann / pixelio.de

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, trifft auf viele neue Fragestellungen. Eine dieser Fragen ist, neben der Wahl der Buchhaltung, die Wahl der Rechtsform! Zuerst muss dazu erklärt werden, was eine Rechtsform ist. Die Rechtsform bildet das juristische Grundgerüst Ihres Unternehmens. Wer eine Rechtsform auswählt hat ist daraufhin an ganz bestimmte Rechte und Pflichten, wie z.B. Geschäftsführung, Haftung, Besteuerung oder die Buchhaltungspflicht. Die Rechte und Pflichten sind in den jeweiligen Gesetzen geregelt. Aus diesem Grund sollte die Wahl der Rechtsform nicht aus dem Bauch heraus entschieden werden.

Welche Rechtsformen gibt es?

Die Rechtsformen bzw. Gesellschaftsformen können in drei Bereiche gegliedert werden. Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.

  • Einzelunternehmen: Hier betreibt eine einzelne Person einen Gewerbebetrieb.
    • Einzelunternehmer
      Hier betreib eine einzelne Person ein Gewerbebetrieb oder übt eine freiberufliche Tätigkeit aus. Die Einlage eines Mindestkapitals ist nicht notwendig.
    • Ein Personen AG (kleine Aktiengesellschaft)
      Vorteilhaft sind die Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung und der besseren Zuteilung von Unternehmensanteilen durch Aktien. Nachteilig sind die umfangreichen Gründungsformalitäten und die Höhe des Grundkapitals von mind. 50.000 €.
      Nicht zu verwechseln mit der Ich-AG, bei der es um die Förderung von Erwerbslosen für eine Selbstständigkeit geht!
  • Personengesellschaften: Hier betreiben mindestens zwei Personen einen Gewerbebetrieb zur Verwirklichung eines bestimmten Zwecks.
    • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
      Zusammenschluss mind. zweier Personen zur Erreichung eines gemeinsamen Zwecks.
    • Partnergesellschaft
      Zusammenschluss mehrerer Angehöriger freier Berufe zur Ausübung ihrer Berufe, z.B. einer Rechtsanwaltssozietät.
    • Offene Handelsgesellschaft (OHG)
      Die Handelsgesellschaft zielt auf den bestimmten Zweck ab, ein Handelsgewerbe zu betreiben und muss in Handelsregister eingetragen werden.
    • Kommanditgesellschaft (KG)
      Die Gesellschaft besteht aus mind. 2 Personen, dem Komplementär (Vollhafter) und dem Kommanditisten (Teilhafter). Die Gesellschaft muss ins Handelsregister eingetragen werden. Die Einlage eines Mindestkapitals ist nicht vorgeschrieben.
  • Kapitalgesellschaften: Kapitalgesellschaften sind vor dem Gesetz juristische Personen, welche als Handlungsbevollmächtigte natürliche Personen (die Gesellschafter und Geschäftsführer) zur Führung der Geschäfte vorsehen.
    • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
      Die GmbH ist eine populäre Gesellschaftsform und wird mit einem Mindestkapital von 25.000 € gegründet. Die Gründung muss notariell geschehen. Vorteilhaft ist, dass die Gesellschafter nur mit ihrem in die Gesellschaft eingebrachtem Kapital haften.
    • Unternehmergesellschaft (UG) Haftungsbeschränkt
      Die UG wird nach der Maßgabe einer normalen GmbH gegründet. Der Unterschied zu einer GmbH liegt in der Höhe des Stammkapitals, welches bei der UG nur 1 € beträgt. Es muss ein Gesellschafter und ein Geschäftsführer bestellt werden.
    • Aktiengesellschaft (AG)
      Die Aktiengesellschaft ist eine Kapitalgesellschaft deren Grundkapital (mindestens 50.000 €) in Aktien aufgeteilt ist. Die Aktien dienen zur Kapitalbeschaffung des Unternehmens. Die Aktien der Gesellschaft können zudem an einer Börse gehandelt werden, was die Kapitalbeschaffung noch erleichtert. Neben dem hohen Stammkapital ist die Gründung einer AG aufwändig. Außerdem muss eine AG durch der Organe (Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung) geführt und kontrolliert werden.
    • Limited Company (Ltd.)
      Eine nach britischem Recht nicht börsennotierte, haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft. Vergleichbar ist die Ltd. mit der deutschen GmbH. Die Gesellschaft kann Ihren Gerichtsstand innerhalb der europäischen Union haben. Zudem muss bei der Gründung kein Mindestkapital bereitgestellt werden, was die Ltd. für viele Gründer interessant macht. Rechtsgrundlage ist das britische Gesellschaftsrecht. Wenn die Ltd. mit der Hauptverwaltung oder Betriebsstätte in Deutschland ansässig ist, muss sie nach deutschem Steuerrecht Bilanzen/Jahresabschluss erstellen und die Gewinne ausweisen.
  • Es gibt also im deutschen Gesellschaftsrecht eine Reihe von Gesellschaftsformen. Deren Vor- und Nachteile sollten vor einer Gründung unbedingt abgewogen werden. Wer sich nicht sicher ist welche Gesellschaftsform die richtige ist, sollte sich zusätzlich bei einer Gründungsberatung informieren.


Über den Autor

Frank Elsenbruch arbeitet im Online-Marketing bei der Scopevisio AG und schreibt regelmäßig Artikel zu den Themen Gründung, Buchführung, Marketing und Unternehmensführung.


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